Gelungener Maiempfang der SPD - Mühlhausen

Veröffentlicht am 10.05.2010 in Veranstaltungen

vorn: Kanzleiter,von Wartenberg, Vohwinkel, Löffler

Keine Zukunft und Bildung - und auch nicht ohne Musik

Der Start in den diesjährigen Mai lässt in diesem Jahr manche Menschen eher frösteln. Dennoch waren am Ende des Maiempfangs der SPD-Mühlhausen alle Gäste zufrieden, und durchaus und trotz des kühlen Abends noch recht gut gelaunt.

Die einen hatten ihre Freude oder zumindest ein interessiertes Ohr für den Vortragsteil zu Beginn, der vom stellvertretenden Vorsitzenden Hans-Jörg Dieter, Mühlhausen, eröffnet wurde. Er konnte wieder zahlreiche, teilnehmende Bürgerinnen und Bürger aus den örtlichen Vereinen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen begrüßen. So waren u. a. erschienen: Der Leiter vom Seniorenheim St.Ulrich, Ulrich Bayer, sowie Eugen Specht von der AWO, Ruth Gunia, vom Freiberger Bürgerhausverein, und Günther Sauter vom dortigen Internationalen Runden Tisch, Franck Sitti, als Vertreter der Afrikanischen Landsmannschaft, Lothar und Rolf Zondler, vom DRK und Steffi Vogel von der Narrenzunft Eschbachwald, und viele andere mehr.

Ferner waren auch Gäste z.B. aus Remseck, wie der dortige SPD-Chef Kurt Goldmann sowie die wieder im Stuttgarter Norden antretende Kandidatin für den Landtag, Ruth Weckenmann, die SPD-Gemeinderätin aus Stammheim, Judith Vowinkel, und Wilhelm Ungeheuer, Wirtschaftsexperte der SPD aus Weilimdorf, gekommen. Sehr herzlich wurden auch die anderen im Bezirksbeirat vertretenen Parteien begrüßt. So Alfred Grossmann von der CDU ebenso Gerd Arnold und Thomas Möller von den Freien Wählern, Gerd Schmid von der FDP und Reiner Hofmann von den Linken.

Das anschließende, erste Grußwort hielt die am gleichen Abend aus Berlin angereiste Bundestagsabgeordnete Ute Kumpf, die trotz der gewünschten Kürze einige mit besonderem Interesse aufgenommene Sätze über die gerade vom Bundestag beschlossene Hilfe für Griechenland ausführte.

Es folgte das traditionell zum Teil gereimte Grußwort des Bezirksvorstehers von Mühlhausen, Bernd-Marcel Löffler, der zugleich auf das neue Logo Mühlhausens hinwies, und es als neues, die Integration der Stadtteile förderndes Symbol hervorhob. Manfred Kanzleiter, Mühlhausens SPD-Gemeinderat, leitete schließlich zum Hauptreferat des Abends über.

Dieses wurde von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden in Baden-Württemberg, Marion von Wartenberg, gehalten, und setzte sich mit der aktuellen Lage des Bildungswesens (nicht nur) im Südwesten Deutschlands auseinander. Sie bezeichnete „Bildung als wichtigen Rohstoff“, mit dem die Zukunft des Landes gesichert werden könne. Sie wünschte sich kleinere Klassengrößen, mehr Schulsozialarbeit und die bessere Förderung aller Kinder mit Benachteiligung und ein längeres, vertiefteres Lernen. Statt 2 Mio.EURO für Hochglanzbroschüren im Bildungssektor auszugeben, solle die Landesregierung dafür lieber 50% mehr Schulpsychologen einstellen. Schließlich warb sie für ihre Initiative, ein Netzwerk unter dem Motto „Keine Zukunft ohne Bildung“, die ein besseres und – vor allem – gemeinsames Lernen in der Schule fördern will. Statt den Eltern die Kinderförderung durch immer mehr Nachhilfe zu überlassen (Baden-Württemberg sei das Spitzenland in Deutschland mit den höchsten Ausgaben der Eltern für Nachhilfe) sollen noch mehr kooperative Formen von Schule und Bildung gezielt vom Staat unterstützt werden.

Mit einigen Notizen aus der laufenden Arbeit des Bezirksbeirats Mühlhausen leitete Johannes Jäger als Sprecher der SPD-Bezirksbeiratsfraktion schließlich zum gemütlichen Teil des Abends über.

Bericht: Michael Lietz
Vors. SPD-Mühlhausen

Grußwort des Bezirksvorstehers Bernd-Marcel Löffler.

es ist Mai und keiner merkt´s. War der April noch ein vorgezogener Sommer, so hat uns nun der mitteleuropäische Halbwinter fest im Griff.

Ja, in Mitteleuropa ist es etwas frostiger geworden – im übertragenen Sinne.

Die Finanzkrise von vor zwei Jahren hat längst auf die staatlichen und kommunalen Budgets durchgeschlagen und wir müssen uns von ständig wachsenden Steuereinnahmen aus den Blütetagen der letzten Jahre auch in Stuttgart verabschieden.

Man macht wieder Schulden, nach Jahren der Konsolidierung – auch in Stuttgart. In Bund und Land gab es diese Konsolidierung erst gar nicht, da wurde es ja schon als Erfolg gefeiert, wenn man in Spitzenjahren mal weniger neue Schulden als im Vorjahr gemacht hatte.

Es ist einfach, auf Griechen, Iren, Spanier oder Portugiesen zu schimpfen – über die Verhältnisse lebt unser Staat genauso, seit Jahrzehnten, nur halt nicht so krass.

Irgendwann in naher Zukunft werden wir uns mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir unsere so geliebten Standards und Ansprüchlichkeiten, die wir alle für selbstverständlich halten in Zukunft noch bedienen wollen.

Auch die Stadt muss künftig noch mehr als jetzt sparen und das werden wir alle auch in Mühlhausen, in vielen Bereichen zu spüren bekommen.

Bildung ist das Thema des heutigen Referats und dorthin muss, wenn man die Zukunft unserer Gesellschaft ernst nehmen will auch das noch verbliebene Geld zumindest zu einem nicht ganz geringen Teil fließen.

Da die gewohnten Zuschüsse und Dienstleistungen der Stadt eher nicht mehr werden in den nächsten Jahren, ist es noch wichtiger für die im Gemeinwesen aktiven zusammen zu stehen, gemeinsam Themen und Aufgaben anzugehen.

Nur dann kann es gelingen, die so wichtige ehrenamtliche Arbeit in Stadt und Stadtbezirk auf dem Niveau zu halten, die wir so schätzen und die so dringend nötig ist.

Mit weniger Mitteln gemeinsam mehr erreichen – für viele noch ein Schreckensszenario und doch wohl in Zukunft unvermeidbare Notwendigkeit und auch eine Chance.

Unabhängig von der Mittelfrage haben wir als Stadtbezirk, als Vereine, als Gewerbetreibende nur dann dauerhaft eine Chance, wenn wir mehr als bislang das Verbindende und nicht das Trennende suchen.

Das neue Motto des Stadtbezirks „Die Gemeinschaft am See“ soll den Ansatz liefern, gemeinsam mit dem Logo, dafür zu werben, sich als solche zu verstehen und miteinander die Zukunft anzugehen.

Keiner will Hofen oder die anderen Stadtteile gleichschalten, die tradierten Unterschiede sind genauso wichtig und lokale Identität ist ein hohes Gut. Aber das ist Folklore – die Herausforderungen der kommenden Jahre, wirtschaftlich, wie im Ehrenamt, schaffen wir dann, wenn wir die ewig gepflegten und manchmal schon ans Alberne grenzenden Divergenzen überwinden.

In diesem Sinne wünsche ich euch und Ihnen allen einen wunderschönen Frühling, ein glückliches und erfolgreiches Restjahr und sage allen ehrenamtlich tätigen in Vereinen, Verbänden, Kirchen, Politik und in anderer Form ganz herzlichen Dank.

En Mühlhausa isch jetzt Mai,
dô kommat d´Leit ens Rôthaus nei,

so wie em Winter d´CDU,
lädt jetzt d´SPD - ond Du,

ond Sie und i send komma,
von dô drieba ond dô homma,

om zu lauscha schöne Reda,
von schlaue Redner, koine bleeda,

om drnôch an Wein zom schlotza,
mitnander lacha, schwätza, motza,

ond sich bei ma bissle Essa,
oin Obab lang a weng vergessa.

Bei Musik ond guader Stimmung,
hen heut Obad gwieß koi Hemmong,

mit älle andre hier zu plaudern,
selber schuld, wer schweigt, will zaudern,

Gemeinsamkeit entsteht beim Schwatz,
drum isch heut der richtige Platz,

im Maiempfang der SPD,
nächst Jôhr isch´s Wetter wieder schee.

Keine Zukunft ohne Bildung

Rede von Marion v. Wartenberg, stellv. DGB-Landesvorsitzende

Sehr verehrte Gäste,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute hat die Bundesregierung wieder einmal ein Krisenpaket geschnürt.
Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat uns alle fest im Griff, hält uns in Atem und zugleich berührt sie die heutige Thematik unmittelbar.

Warum?
Wir Steuerzahler sind in die Bresche gesprungen und haben die Volkswirtschaften vor dem Untergang gerettet, doch die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Mit Blick auf Griechenland ist festzuhalten - kriminelles Verhalten, Steuerhinterziehung und Wirtschaftskriminalität entziehen auch unserem Staat Milliarden, die Banken- und Finanzkrise ist keineswegs aufgearbeitet.
Hier vor Ort - in den Kommunen ist es am deutlichsten zu spüren – die öffentlichen Kassen sind leer.

Da müssen Schwimmbäder geschlossen werden, Schulen können nicht renoviert werden, Öffnungszeiten und Personal werden reduziert – der Sozialstaat wird an vielen Stellen kaputt gespart. Immer mit dem Unterton – wir dürfen unseren Kindern keinen Schuldenberg hinterlassen!

Unsere Kinder sind unsere Zukunft – wohl wahr, zu dieser Wahrheit gehört aber ebenso, dass der wichtigste Rohstoff in unserem Land Bildung ist. Wir haben keinen anderen.
Keine Zukunft ohne Bildung!
Doch in keinem anderen Land ist der Bildungserfolg so sehr an die soziale Herkunft geknüpft wie bei uns.

Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist der größte Skandal in unserem reichen Land!

Entscheidend für unsere Zukunft ist nicht, ob Kinder einen Migrationshintergrund haben, entscheidend ist, ob wir alle Kinder so fördern, dass sie ihre Fähigkeiten und Begabungen unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern entwickeln können.

Aber gerade bei uns in Baden-Württemberg ist der Zusammenhang zwischen Elternhaus und Bildungsaufstieg so eng geknüpft wie sonst nirgendwo.
So erstaunt es wenig, dass nach wie vor die Mehrheit der Kinder aus
Akademikerfamilien eine Gymnasialempfehlung erhält im Gegensatz
zu Kindern aus einfachen Arbeiter- und Angestelltenfamilien.
Das geht anders – und dass es anders geht, zeigen uns vor allem die skandinavischen Länder -
sie wissen, erfolgreiche Bildungsprozesse setzen ein soziales Umfeld voraus, das es Kindern ermöglicht, sich zu entfalten.

Wir alle, unsere Gesellschaft, muß dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln.
Dabei geht es um die Herstellung gleicher Chancen für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft.
Kein Kind darf verlorenen gehen!
Deshalb brauchen wir kleinere Klassen, mehr Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeit, Ganztagesschulen und längeres gemeinsames Lernen.
Was wir nicht brauchen, ist das „Schwarze Peter Spiel“ nach dem Motto, alles Sache der Eltern!
Alle am Bildungsprozess Beteiligten müssen ihr Handeln daran messen, wie sie die nachfolgende Generation befähigen für den Eintritt in die Wissensgesellschaft!
Daran wird sich auch die neue Kultusministerin messen lassen müssen.
Mit Hochglanzbroschüren verfehlte Schulpolitik zu verkaufen, wird nicht ausreichen.
Und es ist angesichts fehlender Mittel sinnlose Verschwendung:
Mit den 2 Millionen für Hochglanzbroschüren könnte die Landesregierung für ein Jahr die Zahl der Psychologinnen und Psychologen an den Schulen um 50 Prozent erhöhen, Krankheitsvertretungen für fehlende Unterrichtsstunden finanzieren oder für alle Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Schulobstprogramms 16 Millionen Äpfel kaufen.

Und es reicht nicht aus, gegen besseres Wissen am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten.
Länger gemeinsam Lernen muss das Ziel einer nach vorn gerichteten Schulpolitik sein, so wie es unsere Nachbarländer erfolgreich praktizieren. Niemand fordert das entschiedener als das baden württembergische Handwerk, allgemein nicht als Umstürzler bekannt.

Es gibt viele Sünden in der Bildungspolitik –
fast nirgendwo werden Erzieherinnen so gering qualifiziert und bezahlt wie in der Bundesrepublik – doch jeder Euro, der in Ausbildung und Bildung investiert wird, vervielfacht sich.
Wir wissen, auf den Anfang kommt es an.
Kleine Gruppen, gut qualifiziertes Personal, individuelle Förderung im Kindesalter – das schafft Chancen, damit sich jungen Menschen in Schule, Ausbildung und Studium entwickeln können.
Doch das ist alles nicht zum Nulltarif zu haben. Aber hier zu sparen, wie es Finanzminister Stächele jetzt beim versprochenen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze machen will, ist ein Skandal.
Denn all die Kinder, die wir nicht fördern, denen wir keine Chance geben durch gute Ausbildung später ins Erwerbsleben zu treten, verlieren wir.
Das ist die tatsächliche Schuldenlast, die wir der nächsten Generation hinterlassen, die wir unseren Kindern mitgeben.

Gute Bildung und Ausbildung braucht Zeit:
G 8 Abitur und verkürzte Bachelor-Studiengänge sind bundesweit die aktuellen Boxenstopps für Blitzkarriere und Beschäftigungsfähigkeit –
Aber „Bulimie-Wissen“, schnell eingetrichtert und in Prüfungen ausgespien, ist nicht zielführend.
Studiengebühren sind ein weiteres Beispiel für Fehler in der Bildungspolitik. Sie sind unsozial und verschlechtern Bildungschancen.

Gute Bildung braucht Zeit zur Reife:
Dies gilt neben Schule und Hochschule auch für die duale Berufsausbildung.
Die Ausbildungssituation macht mir große Sorgen. Die Lage hat sich verschärft und wird sich angesichts der Krise wohl weiter zuspitzen.

Die Tür zur Arbeitswelt ist heute oft eine Drehtür.
Die Generation Praktikum dreht erst mal mehrere Warteschleifen.

Nur 24 Prozent der deutschen Unternehmen bilden noch aktiv aus,
das ist ein Grund, warum fast 12.000 Jugendlichen der ausdrückliche Wunsch nach einer dualen Ausbildung nicht erfüllt werden kann.

Wer jedoch in der jetzigen Krisensituation die Ausbildung verringert oder sogar darauf verzichtet, der programmiert den Facharbeitermangel von morgen.
Nach einer Blitzumfrage der DGB-Jugend gibt von 2000 befragten Auszubildenden vor Ausbildungsabschluss nur etwa ein Drittel an, nach ihrer Ausbildung übernommen zu werden.

Dabei droht uns in Baden-Württemberg bereits 2020 ein Fachkräftemangel!

Was ist zu tun?

Wir brauchen eine Bildungsoffensive im Land, die diesen Namen auch verdient – und dabei muss die Landesregierung endlich mal auf die vielen Eltern, den Landeselternbeirat, viele Rektoren und Bildungs-fachleute hören.
Länger gemeinsam Lernen muss das Ziel einer nach vorne gerichteten Schulpolitik sein – auch in Baden-Württemberg!

Dafür setzen wir uns im Netzwerk „In einer Schule gemeinsam lernen“ mit 25 landesweit aktive Organisationen mit mehreren 100.000 Mitgliedern ein.

Bildung ist eine nachhaltige Investition in Zeiten knappster Mittel:
Keine Zukunft - ohne Bildung!

Eltern, Großeltern haben das längst erkannt und unterstützen, wo sie können. Bei uns zahlen die Eltern immer mehr aus der eigenen Tasche, um die Fehler der Schulpolitik auszugleichen. Baden-Württemberg nimmt mit durchschnittlich 131 Euro bei den Kosten für Nachhilfe pro Schüler einen unrühmlichen Spitzenplatz ein – wir liegen 21 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das ist doch ein Armutszeugnis für das öffentliche Schulwesen!
Wir können nur raten:

Schluss mit der mutlosen Bildungspolitik, die Flickwerk an überholten Schulstrukturen betreibt!

Mehr Mut zur Veränderung und mehr Dialog mit Eltern, Pädagogen und Gewerkschaften!

Und vor allem messbare Verbesserungen statt schöner Worte!

Dank für Aufmerksamkeit!