Ab 1.Mai: Hofener Straße soll an Wochenenden Radfahrern und Fußgängern gehören – große Gefahrenstelle damit beseitigt

Veröffentlicht am 12.06.2012 in Kommunalpolitik

Fußgänger können aufatmen. An Wochenenden steht ihnen künftig der Gehweg alleine zur Verfügung!
Fahrradfahrende Familien können aufatmen. An Wochenenden steht ihnen die ganze Fahrbahn der Hofener Straße zur Verfügung, es sollte auch für Kinder ein gefahrloses Radeln zwischen Hofen und Cannstatt möglich werden.

Nach jahrelangen Diskussionen hat eine Mehrheit im Umweltausschuss des Gemeinderats die Wochenendsperrung ab Samstagmittag der Hofener Straße zwischen Gnesener Straße und dem Ruderclub (ungefähr ab dem Steinbruch) für KfZ beschlossen. Ausgangspunkt des Beschlusses des Gemeinderats war die – selten bestrittene – gefährliche Enge im Bereich der Hofener Straße, wo sich an schönen Sonntagen bis zu 4000 Spaziergänger, Skater und Radfahrer – viele mit kleinen Kindern, den teils kaum zwei Meter breiten Gehweg teilen mussten. Auch viele Autofahrer waren besorgt, dass vor Ihnen unsicher fahrende Kinder bei Begegnungen vor ihnen auf die Straße stürzen könnten. Bisher ist es glücklicherweise nur zu kleineren Unfällen gekommen. Vorgeschlagene Alternativen waren z.B., das Radfahren auf dem Gehweg der Hofener Straße ganz zu verbieten. Ein Teil der Radfahrer würde dann die Straße benützen, diese ist jedoch so eng, dass jedes Überholmanöver durch PKWs gefährlich wäre – derzeit nutzen eigentlich nur Rennradfahrer diese Möglichkeit. Familien mit Kindern könnten diesen Weg gar nicht mehr benützen, da Kinder nach StVO den Gehweg benützen müssen. Ein anderer Alternativvorschlag war, den Radverkehr komplett auf die linke Neckarseite zu lenken. Der Neckardamm ist jedoch in einigen Bereichen dafür genauso wenig geeignet, da er ebenfalls schmal ist und schon jetzt von vielen Radfahrern und Fußgängern (oft mit Hunden) benützt wird. Das heutige Problem auf dem Gehweg der Hofener Straße würde bei der dann noch größeren Zahl der Radfahrer und Fußgänger hier verschärft auftreten. Auch der häufig genannte neue Radweg entlang der Neckartalstraße ist keine Alternative. Er ist zwar von der Oberflächenbeschaffenheit ausgezeichnet, liegt aber ebenfalls parallel zu einer ähnlich befahrenen Straße und ist nicht wesentlich breiter als der Gehweg an der Hofener Straße, außerdem ist er bei weitem nicht so schön wie der Weg entlang der Weinberge. Dieser Radweg dient vor allem den Radfahrern, die mit dem Fahrrad schnell in die Stadt kommen wollen, z.B. zu ihrem Arbeitsplatz. Er wird diese Funktion erst dann wirklich wahrnehmen, wenn die Verlängerung nach Cannstatt verwirklicht ist. Wichtig war dieser Radweg ja vor allem für die Anwohner der Neckartalstraße. Er hat zu einer deutlichen Verkehrsberuhigung geführt, durch die fehlende Überholmöglichkeit und die stationären Geschwindigkeitskontrollen ist der Verkehrsfluss dort viel ruhiger geworden. Außerdem gab es eine – wenn auch geringe – Verlagerung des Verkehrs auf die Hofener Straße zu Lasten einiger Anwohner in Hofen und vieler Anwohner in Cannstatt. Während des Baus des Radwegs und während der Teilsperrung der Aubrücke hatten diese Anwohner im Übrigen über Wochen täglich eine erhebliche Mehrbelastung zu ertragen. Keine der genannten Lösungen konnte also die Sicherheitsprobleme vor allem für die Fahrrad fahrenden Familien beseitigen, die zeitweise Sperrung der Hofener Straße für KfZ ist die einzige Lösung, die genügend Raum schafft (die Verwaltung nennt eine Mindestbreite von 4 m), um an Spitzentagen einen sicheren Fahrradverkehr zu gewährleisten. Selbstverständlich wurden die Nachteile der Sperrung mit diesem Sicherheitsgewinn abgewogen: wirklich mehr belastet werden die Anwohner in der Neckartalstraße in Münster. Allerdings wird diese unbestrittene Mehrbelastung nach allen vorliegenden Zahlen (auch der in Münster genannten Zahlen) nach Aussagen der Fachleute kaum hörbar sein, die Gesamtbelastung wird sicher geringer bleiben, als vor dem Bau des neuen Radwegs einige Autofahrer in Hofen und die autofahrenden Besucher des Ruderclubs haben meist nur geringfügige Umwege in Kauf zu nehmen. In der Abwägung wog der Sicherheitsgewinn ungleich schwerer als die genannten, nicht zu bestreitenden Nachteile. Für den Gemeinderat gab es keine echte Alternative als die beschlossenen Wochenendsperrung.. Vor allem wegen der Bedenken aus Münster wurde sie nicht leichtfertig entschieden, sondern im Vorfeld von uns ausführlich diskutiert Einige weitere – aber sicher nicht entscheidende – Punkte sollen noch genannt werden:
  • Die Weiterführung des Radverkehrs auf der Hofener Straße sollte nicht allein durch den engen Durchlass an der Aubrücke abgewickelt werden sollte. Ein Teil des Verkehrs Richtung Mühlhausen, Remseck, Schmiden usw. sollte über die Wagrainstraße und z.B. den Möwenweg durch Hofen geleitet werden. Wir werden uns im Bezirksbeirat für eine entsprechende informative Beschilderung einsetzen.
  • Selbstverständlich werden die Weinbauern weiter die Möglichkeit haben, ihre Weinberge auch von der Hofener Straße aus zu bewirtschaften. Dies wird genauso gut funktionieren wie in der Austraße zwischen Mühlhausen und Münster.
  • Selbstverständlich bleibt die Zufahrt zum Ruderclub gewährleistet. Bei entsprechendem Angebot wird die dortige Gastronomie von einem erhöhten Radverkehr sogar profitieren.
  • Wir erwarten von der neuen Regelung einen zusätzlichen Impuls zum Fahrradfahren vor allem für Cannstatt, Münster, Hofen und Mühlhausen werden. Wenn dies gelingt, wird sie an Wochenenden diesen Bereich von Verkehr entlasten.
  • Die Sperrung wurde seit vielen Jahren öffentlich in den Bezirksbeiräten und bei anderen Gelegenheiten diskutiert, alle wichtigen Kriterien waren den Entscheidungsträgern bekannt. Wer wären übrigens bei einer von manchen geforderten Befragung die betroffenen Bürger: die Autofahrer aus Hofen, Cannstatt und Steinhaldenfeld, die Anwohner der Neckartalstraße oder die vielen tausend sonntäglichen Radfahrer und Fußgänger?
  • Die Entscheidung des Gemeinderats ist keine Entscheidung über ein millionenschweres Bauprojekt, die auf Jahrzehnte nicht mehr revidierbar ist. Wenn sich an der Neuregelung vor allem in der noch nicht in allen Einzelheiten bekannten Durchführung etwas wirklich nicht bewähren sollte, kann dies ohne großen Aufwand und Kosten revidiert werden
  • Die SPD setzt sich auch dafür ein, dass die Auswirkungen der Sperrung genau beobachtet werden, um auftretende Schwierigkeiten schnell beheben zu können.
Johannes Jäger Sprecher der SPD-Fraktion im Bezirksbeirat Stuttgart - Mühlhausen